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So wenige Scheidungen, wie seit 10 Jahren nicht mehr

2013 liessen sich 17’000 Ehepaare scheiden, so wenige wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Scheidungsrate sank gegenüber 2005 um über 11 Prozentpunkte auf neu 41,3 %. Der Ausspruch: Jede 2. Ehe ginge in die Brüche, stimmt also nicht mehr.

(SSF/im.) 2005 betrug die Scheidungsrate noch 52,6 Prozent. Das ist ein Rückgang von 11.3 Prozentpunkte innerhalb von acht Jahren! Auch die durchschnittliche Ehedauer von geschiedenen Paaren steigt leicht an: von 14.5 auf 14.7 Jahre seit 2009.

Wie es für die Schweiz typisch ist, sind die Zahlen in den Kantonen und Regionen unterschiedlich. In ländlichen und katholischen Regionen halten Ehen deutlich besser. So kommen im Kanton Obwalden auf 1000 Einwohner «nur» 0,9 Scheidungen, während es in Zürich und Basel 2 sind. Auch in Uri, Nidwalden, Appenzell Innerrhoden und Graubünden sind es weniger als 1,5. Am schlechtesten hält das Eheversprechen in Neuenburg und in der Waadt.

Der Einfluss traditioneller Wertevorstellungen

Ein Unterschied zwischen den Regionen widerspiegelt sich auch im Städtevergleich. Die Chance, dass der Ehebund ewig hält, ist in Freiburg am grössten. Am schlechtesten schneidet Biel ab, wo sich gleich drei Mal so viele Paare scheiden liessen. Die Soziologin Margret Bürgisser sagt dazu in der Schweiz am Sonntag vom 6. April: «Leute mit traditionellen Wertvorstellungen glauben eher an die Unauflöslichkeit der Ehe und lassen sich deshalb weniger scheiden.» Ebenfalls würden sie mehr investieren, um ihre Beziehung zu erhalten und im Krisenfall zu reparieren.

Überdurchschnittlich gefährdet sind multikulturelle Paare. In jedem zweiten Scheidungsfall stammt mindestens ein Partner aus dem Ausland. Besonders stark betroffen von Scheidungen sind Kinder. In über drei Viertel der Scheidungsfälle waren minderjährige Kinder mitbetroffen.

Fachleute weisen darauf hin, dass die Scheidungsverfahren komplizierter werden – ausgerechnet wegen der Gesetzesrevision, welche das Sorgerecht normalerweise beiden Partnern zugesteht. Dies mache – ähnlich wie es im Aargau schon besteht – eigentliche Familiengerichte auch in andern Kantonen nötig, sagt die Aargauer Gerichtspräsidentin Andrea Staubli.

Die Ursachen des Rückgangs von Scheidungen

Der Rückgang ist insofern überraschend, als man bei Paaren nach 20 und mehr Jahren in den letzten Jahren einen Anstieg der Scheidungsfälle festgestellt hat, während Scheidungen in den ersten 10 Ehejahren rückläufig sind. Diesen Trend hat auch der Gründer der internationalen Aktionswoche „MarriageWeek“, Richard Kane, geortet: Im September 2013 sagte er anlässlich einer Konferenz zum Thema in Bern, die Heirat erfolge heute in der Regel nicht mehr aus Tradition, sondern aus einem bewussten Entscheid des Paares heraus.

Eine Folge davon, so Kane: «Verheiratete Paare leben zukunftsorientiert.» Sie heiraten mit dem Wunsch und dem Versprechen, die Ehe wirklich bis zum Tod eines der Partner zu führen. Dies erklärt auch den deutlichen Rückgang der Scheidungen in den ersten 10 Ehejahren. Um den Trend zu stärken, empfiehlt Kane eine bewussten Pflege der Ehebeziehungen, wo nötig auch mit externer Hilfe. Und dies, bevor eine Krisenintervention nötig wird.