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Die Folgen von Scheidungen auf Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche sind von der Scheidung ihrer Eltern immer existenziell betroffen. Die Folgen und Schäden sind aber je nach Alter, Situation und Verhalten der Eltern sehr unterschiedlich. "Lieber scheiden als die Kinder dem Streit auszusetzen" stimme so nicht, sagt die Psychologin und Dozentin Beate Schwarz. Darauf machte eine Tagung zum Thema an der Universität Zürich aufmerksam.

(SSF/im.) Kinder nehmen die Scheidung entsprechend ihrem Alter und Entwicklungsstand ganz unterschiedlich wahr. Ebenso unterschiedlich seien die Folgen, sagte die Psychologin und Dozentin an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), Beate Schwarz, am 23. August in Zürich. Doch sie unterstrich: „Es gibt vermutlich kein Alter, in dem eine Scheidung unmittelbar weniger folgenreich für die Kinder ist als zu andern Zeiten.“ Deutliche Probleme gebe es für viele Kinder und Jugendliche unmittelbar nach der Trennung. Dabei sei es wichtig, wie die Eltern darauf reagierten. Für die Kinder sei dabei weniger die einer Trennung vorausgehende Konfliktphase der Eltern folgenreich, als vielmehr die Trennung selbst. Sie demontierte damit eine weit verbreitete Auffassung, dass „die Scheidung für die Kinder besser“ sei, wenn sich die Eltern immer wieder streiten.

Viele Probleme verminderten sich im Laufe von ein bis zwei Jahren. Langfristige und nachhaltige Verhaltensprobleme seien allerdings bei Kindern unter fünf Jahren feststellbar, so Beat Schwarz, die zum Thema Studien durchgeführt oder ausgewertet hat.

Ältere Mädchen leiden mehr

Bei Säuglingen zeigen sich nach einer Trennung vermehrt Bindungsunsicherheit und Ängstlichkeit. Im Kindergartenalter, wo die Kinder die Trennungsabläufe bereits wahrnehmen, kommt es zu Schuldgefühlen, Regression und später zu Schulproblemen. Ebenfalls Schulprobleme, Selbstwertprobleme und emotionale Verunsicherung zeigen sich bei Schulkindern. Jugendliche können den Konflikt der Eltern und die Trennung zum Teil selbständig bewältigen. Oft leiden sie aber an Loyalitätskonflikten und neigen dazu, eine zu grosse Verantwortung auf sich zu nehmen. Sie werden durch Zukunftsängste geplagt oder zeigen Probleme mit Drogen, Gewalt und der Sexualität. Generell haben Scheidungskinder langfristig mehr Probleme als ihre Altersgenossen aus intakten Familien. „Die Mehrheit ist aber nicht klinisch auffällig“, betonte Schwarz. Einen Anstieg von „klinisch relevanten internalisierenden Problemen“ stellt sie aber bei Mädchen von 14-18 Jahren fest. Während solche Probleme bei den Altersgenossinnen in dieser Phase von 12 auf 17% ansteigen, erhöhe sich ihr Anteil von 23 auf 41%.

Kinder möchten rechtzeitig informiert werden

Beate Schwarz verwies auf ein typisches Problem bei Scheidungsfällen: Für die Kinder kommt die Scheidung oft sehr plötzlich, sie werden davon überrollt. Die Eltern haben es versäumt, sie darauf vorzubereiten. Nur fünf Prozent der befragten Scheidungskinder wurden nach ihren Angaben von den Eltern rechtzeitig informiert, was auf sie zukommt. Kinder ab 11 Jahren möchten auch verstehen und nachvollziehen können, weshalb sich die Eltern scheiden.

Wichtig: das gegenseitige Verhalten der Eltern

Nach der Trennung ist es entscheidend, wie sich die Eltern gegeneinander verhalten, ob sie die Kinder gegen den Partner ausspielen und wie sich der Kontakt zum Elternteil gestaltet, der nicht die elterliche Sorge innehat. Väter, die weiterhin eine aktive Rolle als Erzieher wahrnehmen und den Kindern zum Beispiel bei Schulaufgaben helfen, reduzieren den Scheidungsstress für ihre Kinder. Auch ihre regelmässigen Unterhaltszahlungen tragen dazu positiv bei. Stressfördernd ist dagegen eine feindselige Haltung der Mutter (mit Sorgerecht) gegenüber dem Vater.

Gemeinsame Sorge und Obhut

Schwarz untersuchte auch die Auswirkungen der gemeinsamen Sorge und Obhut der Eltern. Wenn zum Beispiel ein Partner die Kinder zu mindestens 30% betreut, verbessern sie damit die gegenseitige Beziehung nicht. Aber die Kinder entwickeln eine bessere Beziehung zu beiden Eltern, sie weisen ein besseres psycho-soziales Befinden auf und sind gesünder.


Mehr zu diesem Thema:

> Auführlicher Bericht über die Folgen von Scheidungen

> Buchtipp: Scheidung abwenden und die Ehe stärken